Anna-Siemsen-Symposion im Archiv der Arbeiterjugend in Oer-Erkenschwick am 28. April 2012

Kritische Beiträge der aktuellen Forschung zum Leben und Werk der sozialistischen Pädagogin Anna Siemsen

„Unsere Schulen sind – wie alle Schulen es sein müssen – ein getreues Spiegelbild heutigen Lebens überhaupt: Sie bewerten die Begabung und den Erfolg. Sie stacheln die Kinder durch äußere Mittel, durch Zeugnisse über ihre Leistung künstlich zur Arbeit an und setzen sie in einen Wettbewerb mit den Kameraden, der Eifersucht, Ehrgeiz und Neid, alle antisozialen Triebe erregt und stärkt: Sie scheiden schon die Kinder nach Stand und Vermögen, verhindern das gegenseitige Kennen- und Verstehenlernen.“
(Siemsen, Anna: 1918, S. 176).

In den letzten Jahren wurden fünf Dissertationen zur sozialistischen Pädagogin Anna Siemsen vorgelegt. Damit fand die lange Zeit vergessene Pädagogin ein neues wissenschaftliches Interesse. Die Pädagogin und Politikerin Anna Siemsen, die sich in reformpädagogischen Kontexten sozialdemokratischer, pazifistischer, europäischer, feministischer und demokratischer Provenienz bewegte, wichtige Beiträge für die sozialistische Erziehungswissenschaft erarbeitet und sich insbesondere in der Arbeiterjugendbewegung engagiert hat, bietet ein wichtiges und gleichzeitig zukunftsweisendes Potential an konzeptionellen Fragestellungen und Ideen, um institutionalisierte Formen von Bildung solidarischer, menschengerechter und demokratischer werden zu lassen. Dabei ist die Zuweisung von Bildung bzw. Erziehung als entscheidendes gesellschaftliches Transformationsmoment von zentraler Bedeutung.

In einem Symposion wollen wir die neuen Forschungen zu dieser wichtigen Inspiratorin auch der Arbeiterjugendbewegung zusammenfassen und einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Neben den einzelnen Forschungsbeiträgen stehen zwei Rahmenreferate, die die Forschungsleistungen aus unterschiedlichen Perspektiven bewerten und verorten. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive soll die Aktualität Anna Siemsens für die derzeitigen Diskussionen über Pädagogik ausgelotet und die einzelnen Beiträge in die bisherige erziehungswissenschaftliche Debatte über Siemsen eingeordnet werden. Der starke biographisch-historische Zugang der Forschungsbeiträge verlangt nach einem weiteren Rahmenreferat, das die methodischen Ansätze resümiert und die Perspektiven einer historischen Pädagogik aufzeigt. Damit sollen erziehungs- und geschichtswissenschaftliche Ansätze interdisziplinär verknüpft werden.

Das Interesse von Angehörigen der SJD – Die Falken, das eigene pädagogische Handeln theoretisch zu fundieren, findet Raum in einem eigenen Workshop; es wird Gelegenheit geben, das Gehörte im Gespräch mit ausgewählten Referenten und Referentinnen zu reflektieren und zu vertiefen.

Programm: Samstag, 28. April 2012, Symposion

10.45 Uhr: Anna Siemsen – eine demokratisch-sozialistische Reformpädagogin
Manuela Jungbluth (Paderborn)

11.30 Uhr: Gescheiterte Remigration? Eine sozialistische Pädagogin in der Hansestadt Hamburg
Alexandra Bauer (Hamburg)

12.15 Uhr: Anna Siemsen – Bildung und Literatur
Christoph Sänger (Wuppertal)

13.00 Uhr: Mittagessen

14.00 Uhr: Anna Siemsens Europa-Ideen im Rahmen des zeitgenössischen Euroföderalismus
Francesca Lacaita (St. Andrews, UK)

14.45 Uhr: Europa als Utopie – Anna Siemsens europäische Konzeptvorstellungen in der Weimarer Republik
Marleen von Bargen (Hamburg)

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.00 Uhr: Die Bedeutung Anna Siemsens in der Erziehungswissenschaft
Wolfgang Keim (Paderborn)

16.45 Uhr: Ziele und Perspektiven einer historischen Beschäftigung mit Pädagogen
Till Kössler (Bochum)

17.30 Uhr: Abschlussdiskussion

18.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Samstag, 28. April 2012
Workshop für Teilnehmende der SJD – Die Falken

18.30 Uhr: Abendessen

19.30-21.00 Uhr: Reflexion des Symposions: Anknüpfungspunkte zur eigenen Arbeit

Sonntag, 29.04. 2012

9.30-11.00 Uhr: Vertiefung: Bildung als gesellschaftsverändernde Kraft im Werk Anna Siemsens

11.00-11.20 Uhr: Pause

11.20-12.00 Uhr: Sicherung der Ergebnisse

12.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen und Ende der Veranstaltung

Weitere Informationen zum Symposion und Workshop sind beim Archiv zu erfragen: archiv@arbeiterjugend.de. Anmeldungen bitte formlos an diese Adresse.

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